Fontane-Jahr 2019: Ein Preuße in „Italia“ (2)

Folge 2 Rom und Neapel:

Nach Venedig – der marmorprunkenden Wasserstadt, für Fontane eine Offenbarung – strebten er und Emilie den nächsten Höhepunkten der Italienfahrt zu: Rom und Neapel. Aber die Stimmung trübte sich ein, Missbefindlichkeiten bestimmten zunehmend die Reise und die Aufzeichnungen davon. Dazu wieder Auszüge aus dem Buch „Bella Italia – Auf Grand Tour mit großen Italienreisenden“ (Werner Huber, Kröner Verlag, https://www.kroener-verlag.de/huber-werner/ ):
Fontane war von Rom ab oft desolat: Theo wieder sehr unwohl. Bleibt im Bett, ich in die englische Apotheke – derlei Tagebuchnotizen Emilies zeigen, wer hier das starke und wer das schwache Geschlecht repräsentierte. Immerhin pries er sie in diesen Tagen als ihn aufrecht erhaltende Heroine.  Der penible Kunstpensumabsolvierer kam bei dem unendlichen Stoff nicht hinterher, wurde unleidlich – zum Abreagieren boten sich die Italiener an: Ein völliges Bummelvolk. Ich komme preußischer zurück denn je. Immerhin konnte er sich die großen Nummern – die Schätze des Vatikan, Sankt Peter, die antiken Stätten – zu eigen machen: Sie flößten ihm kolossalen Respekt ein.
Zur Missstimmung trugen auch Episoden bei wie die, die Emilie über zwei aufeinanderfolgende Rom-Nächte in ihren Aufzeichnungen notierte: Höllennacht durchlebt. Ich durch Flöhe u. entsetzlichen Lärm auf der Straße im höchsten Fieber der Verzweiflung. Theo ganz krank! innigste Sehnsucht nach Potsdamerstraße 134. Dann die zweite Nacht: … bestreue Bett u. mich mit Bergen von Insektenpulver; es nutzt nichts, zu Dutzenden fange ich die Quälgeister … Endlich Ausbruch der Verzweiflung; Alternative zwischen nach Berlin zurück oder umziehen!
Eine in Neapel notierte Episode schildert ein anderes Reiseübel. Der Abend begann zunächst sehr anregend, laut Emilies Tagebuchnotiz: Um 6 Uhr zur table d`hote. Das berliner Ehepaar stellt sich uns als Baurat Schwatlo vor; zugleich mit Banquir Hauk u. Sohn aus Frankfurt a/M. Angenehme Plauderei. Später mit den Herrschaften nach dem cafè …, vorher am Quai Austern gegessen, ich nicht. Ahnte sie, dass die Austern im Hafen gezogen wurden – wohin auch die Kanalisation mündete? So blieb sie verschont, aber Theo nicht: Der ganze Vesuv saß mir im Leibe und das unheimliche Rollen und Grollen nahm kein Ende.
Die Neapel-Tage endeten mit einem Ausflug auf die Insel Capri und dort hoch nach Capri Stadt mit ihrem herrlichen Ausblick – mit nicht so herrlichem Finale: … eiligst hinuntergestiegen um mit dem Dampfschiff nach Sorrent zu fahren. Noch nicht unten angelangt, sehen wir es vor unseren Augen abdampfen. Sachen, Nachtzeug etc. allles mit.

Die 3. Folge demnächst: Italien-Ausklang


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